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Montag, den 28. Mai 2012 um 10:10 Uhr

Wir sind zurück in der Schweiz.

Danke für die Begleitung auf unserer Reise.
Wir freuen uns aber auch jetzt noch über Emails, Kommentare und Fragen. Meldet euch über das Gästebuch oder per Email.

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Ushuaia - Osterinsel - Santiago - Valparaiso - La Serena
Freitag, den 04. Mai 2012 um 00:25 Uhr

******* English Version ***********

*******Fotos / Pictures ***********

Im letzten Bericht habe ich von unserem Luxusproblem „zuviel Zeit“ berichtet und in diesem Bericht erzähle ich Euch, wie wir mit dieser "Bürde" zurecht gekommen sind:


Abgewöhnungsphase 1: Volle Last auf dem Rad aber getragen von einem Boot
Da wir das letzte Schiff in die Antarktis verpasst hatten, setzten wir mit einer Fähre nach Puerto Williams über - hier ist wirklich das Ende der Welt. Eigentlich wäre es wunderschön zum wandern aber die Temperaturen sind schon dermassen tief gesunken, dass wir uns die 5 Tage Regen/Schnee und Matsch schenkten. Als sich die Sonne am 2. Tag durch die Wolken kämpfte, machte Marilli mit einem Argentinier eine 4h Wanderung. Ich lag wieder mal mit Fieber im Bett. Die Gastgeberin verpflegte mich dafür mit einem feinen Linseneintopf.

Wir freuten uns sehr auf die 30 stündige Überfahrt nach Punta Arenas welche uns durch den Beagle Kanal und die Cordillera Darwin mit all ihren Gletschern und Fjords führen sollte. Normalerweise fährt die Fähre um 10.00h los, einmal im Monat jedoch erst um Mitternacht. Jackpot! Wir sahen den ersten Teil des Beagel Kanals nicht.... Dafür hatten wir Glück was die Kabinen angingen. Da es nur wenige Passagiere hatte, durften alle in der „Business Class“ sitzen und dies bedeutete, dass der Sitz zu einem Bett gemacht werden konnte.

In Punta Arenas war unsere Hauptaufgabe Kartonschachteln für unsere Bikes zu finden. Einfacher gesagt als getan! Von den 4 Läden die Velos verkauften, gab es gerade mal einen der effektiv Schachteln hatte, diese aber nicht sofort aushändigte. Wir mussten dreimal zurück und betteln bis sie endlich ihren A... bewegten und uns die zwei Schachteln aus dem Lager holten.

In Punta Arenas gibt es keinen einzigen Taxi Dienst mit einem Minibus also bestellten wir uns zwei Taxis die uns zum Flughafen fahren sollten. Eigentlich wäre es kein Problem eine Bikebox in ein Auto zu laden NUR fahren die Taxis alle mit Gas und der Gastank liegt im Kofferraum.... Stellt euch die folgende Szene vor: Morgens um 04.00h versuchen zwei Taxi Fahrer und zwei Biker, zwei Kartonschachteln auf den Rücksitz eines Taxis zu würgen... Zum Glück war es noch dunkel

Marilli lässt sich nach dieser Reise auch nicht mehr alles gefallen und beginnt beinahe eine Schlägerei als die Taxifahrerin mehr als den abgemachten Preis verlangt. Wir finden eine Lösung und schon bald steigen wir in Santiago aus dem Flugzeug. Von der Kälte Patagoniens ins 26C heisse Santiago und zurück in die Grossstadt.

  

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Abgewöhnungsphase 2: Radeln ohne Gepäck
Nach 2 Tagen rumlungern im Stadtpark und Glacé schlemmen, stehen wir wieder am Flughafen und fliegen am Ostersonntag auf die Osterinsel – das witzigste: Ostern wird auf der Insel nicht gefeiert aber da die ersten Europäer vor 290 Jahren am Ostersonntag die Insel entdeckten, heisst sie nun halt eben Osterinsel.
Wir stellen unser Zelt auf dem Zeltplatz gleich neben dem Meer auf, bauen unsere Bikes zusammen und erkunden für 10 Tage den 17x16x34km grossen Triangel. Wir geniessen die Sonne, das polynesische Klima und bewundern das riesige Freiluftmuseum.

Die Osterinsel ist so richtig teuer. Im Vergleich zum "Kontinent" muss mindestens mit dem Doppelten für Essen und Trinken gerechnet werden - und das gilt nicht nur für Ausländer. LAN Airlines fliegt täglich von Lima und/oder von Santiago de Chile auf die Insel. Der Tourismus boomt, die Hotels werden grösser und grösser. Nicht alle sind begeistert von diesem Trend. Wieder einmal bewundern wir ein kulturelles Erbe, sind absolut beeindruckt von den Leistungen der Rapa Nuis, sind froh, dass wir da waren und wissen gleichzeitig nicht ob der Massentourismus wirklich gefördert werden sollte... Es scheint, als ob ohne regulatorische Massnahmen eine solche Insel schlichtweg überrannt wir, auch von uns.

Einen Tag vor Abflug stecken wir unsere Bikes ein letztes Mal in die Kartonbox. Das wars mein lieber Lastesel, wenn du wieder aus der Schachtel kommst, dann musst du in den Keller und darfst nur noch für kurze Strecken nach Draussen. WOW! So nah war Zuhause seit einem Jahr nicht mehr.

 

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Abgewöhnungsphase 3: Bus statt Rad
Wieder nisten wir uns für 3 Nächte in Santiago ein. Diesmal lassen wir die Bikes stehen und reisen wie „normale Backpacker“ mit dem Bus in Richtung Norden, nach Valparaiso. Valparaiso war einst der wichtigste Hafen an der Pazifikküste und etliche Banken siedelten sich hier an, bevor 1960 ein Erdbeben einen Grossteil der Stadt zerstört hat. Heute ist der Hafen wieder in Betrieb und Valpo ist vor allem eine Stadt für Studenten und Kleinkünstler. Graffitis (und damit sind die üblen Schmierereien gemeint) zieren Hauswände, Mauern und Treppen. Öffentliches musizieren ist hier ohne Bewilligung erlaubt. Es ist auch nicht überraschend, dass man hier kleine Revolutions-Kommandozentralen findet, wo Edith Piaf noch von einer Langspielplatte gespielt wird. Im letzten Jahr waren hier alle Unis für ein Semester geschlossen. Die Studenten protestierten gegen die hohen Semestergebühren, nur gebracht hat es nicht viel denn die Regierung hat gar nichts unternommen und die Studenten schmoren lassen. So wurde der Unterricht in der Sommerpause wieder aufgenommen weil die Studenten sonst ihre Semesterbeiträge verloren hätten - Fortsetzung wird wohl folgen.

Ein wirklich interessanter Ort. Als Student wahrscheinlich eine Traumstadt. Als Künstler ebenfalls, für mich etwas zuviel Hippiekacke (gell Andrew).

 

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Unser letzter Ausflug bringt uns mit dem Bus in 7h nach La Serena – wir sind wieder an der Grenze der Atacamawüste aber am Meer. Wir finden ein super schönes Hostel und machen einige Ausflüge neben eben so vielen Ruhetagen (an welchen man uns joggend am Strand finden konnte).

Der erste Ausflug war zur Insel Damas wo wir endlich Pinguine sehen wollten. Pinguine gab es zu dieser Jahreszeit nur noch wenige, dafür wurden wir mit 6 Delphinen und 2 Buckelwalen belohnt. WOW, auch wenn wir nur die Rücken und Schwanzflossen der Wale gesehen haben, das war so richtig eindrücklich. Die Delphine wurden ihrem verspielten Ruf gerecht und surften in unserer Bugwelle oder sprangen aus dem Wasser und präsentierten sich in ihrer vollen Grösse.

Auch dieser Ausflug wurde durch ein paar bedenkliche Fakten überschattet. Obwohl die zwei Inseln neben der Insel Damas von Seehunden, Vögeln, Pinguinen und Seeottern (also hier eher Meerottern) bevölkert werden und durch den Nationalpark geschütz sind, darf man auf der Insel Damas aussteigen und spazieren. Ich frage den Guide nach den ökologischen Folgen des Tourismus auf der Insel. Er winkt ab und meint, dass es unbedenklich sei denn die Tiere seien alle auf den Nachbarinseln zu finden und so stören die Touristen auf der Insel Damas nicht ... also heisst das die Tiere wussten, dass die Insel Damas von Touristen überrannt werden würde und liessen sich nur auf den geschützten Inseln nieder... wohl kaum!

 

Ein anderer Ausflug führte uns ins Valle Elqui. Ein enges Tal mit über 320 Tagen Sonnenschein. Eigentlich eine ziemlich trockene Angelegenheit. Wegen den nahen Bergen und dem grossen Temperatur Unterschied zwischen Tag und Nacht ist es jedoch ein ideales Anbaugebiet für die Pisco Traube. Wir nahmen an einer Führung inkl. Degustation und gratis Pisco Sour teil ... wie der Tag endete muss ich wohl kaum erzählen.

 

Für den dritten Ausflug liessen wir es so richtig knallen: Wir mieteten ein Auto! Ganz selbstverständlich laufe ich in die Autovermietung, lese einen Kleinwagen aus und die Beraterin fragt mich nett nach meinem Fahrausweis. Oh! Stimmt, um ein Auto bewegen zu dürfen braucht man ja einen Fakel – und der liegt in irgend einer Fahrradtasche, ganz weit unten und ganz weit weg – nämlich in Santiago. Zum Glück hatte Marilli ihren Ausweis dabei und musste somit hinters Steuer.

Auf der 90 minütigen Fahrt in den Fray Jorge Nationalpark versuchen wir uns vorzustellen wie es jetzt mit dem Velo auf dieser Strecke wäre – wir sind uns einig: langsamer aber schöner. Den mickrigen Nationalpark schaut man sich an weil inmitten des vielen Sandes, zwischen Hügeln ein Mikroklima herrscht und so ein Streifen wild wuchernder Wald wächst. Fassen wir es als schönen Tagesausflug zusammen.

 

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Auf der Rückfahrt zeigt sich dann, dass auch Marilli nicht mehr 20 ist. Mitten auf der 100 km/h Strecke muss sie auf den Pannenstreifen um ihr Bein zu strecken. Seit unserem 8 tägigen Abenteuer im Torres del Paine Nationalpark spürt sie einen starken „Pain“ im Knie wenn sie länger sitzt und sich nicht bewegt... Zum Glück ist der Flug von Santiago nach Madrid nur knapp 12h.

 

Nachdem wir in der letzten Nacht in La Serena durch ein Erdbeben aus dem Schlaf gerissen wurden, bringt uns wieder ein nach Santiago zurück. Wie das viele Backpacker so machen, fahren auch wir im Nachtbus um eine Übernachtung im Hostel zu sparen. Wenn allerdings die Reise „nur“ 7h dauert, ist man relativ früh am Morgen am Zielort. Das Resultat: Wir warten zuerst mal 2h am Busbahnhof von Santiago bis die Metro zu fahren beginnt – es ist ja schliesslich 1. Mai!

Wir sind um 09.00h in der Innenstadt und suchen verzweifelt nach einem Frühstück und Kaffee – vergebens. Wir wandern ziellos umher und landen am Schluss auf Santiagos Hausberg Cerro San Cristobal. Die Stadt war leer aber was hier auf dem Hügel abgeht ist Unterhaltung pur. Es scheint als ob ganz Santiago auf dem Velo sitzt oder sich Joggingschuhe angeschnallt hat. Der ganze Berg wimmelt von Wochenendsportlern. Es ist sau lustig und unterhaltsam. Ich glaube auch die streunenden Hunde haben ihre Freude. Sie sausen mit langer Zunge bergauf und bergab. Immer einem anderen Velo hinterher. Ausserdem wurde meine (vom Himmel gegriffene) These, dass der Preis eines Rennrades mit dem Bauchumfang des dazugehörigen Hobbiefahrers im Verhältnis steht, wieder bestätigt.

 

Schlusskapitel:
Nun sitzen wir also wieder in Santiago. Wir wissen nun, dass Busreisen nichts für uns ist und dass wir unsere Räder wohl wieder einmal in eine Kartonbox packen werden um sie in der Welt spazieren zu führen. Zuerst kommen wir jetzt aber mal nach Hause, suchen uns einen Job und treffen uns endlich wieder mit Familie und Freunde.

 

Wir möchten uns ganz herzlich für Eure Unterstützung während des letzten Jahres Bedanken! Eure Kommentare, Emails und Gedanken waren jederzeit extrem wichtig und haben uns getragen. Wir beenden somit unsere Berichterstattung dieses Abenteuers und starten ein neues Kapitel...

M&m

 

 
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